Ich gehe jetzt von dem Fall aus, dass Du am Anfang Deiner Selbstständigkeit nicht viel Geld hast, oder besser gesagt nicht so viel, wie Du gerne hättest. ;)
Jedenfalls war das bei mir so. Meinen schnellen und tollen PC von Medion hatte ich noch aus meinen Studienzeiten, zwei Bildschirme stehen auch bereits seit damals auf meinem Schreibtisch, also habe ich mich gefragt: „Was brauche ich denn noch als Übersetzer?“ und nach Priorität gekauft: eine Lizenz für ein CAT-Tool, diverse Fachbücher, einen Laptop (obwohl ich einen PC habe?), Software und ein professionelles Webseiten-Theme.
Ja, es klingt erstmal sehr abschreckend. Du willst Dein hart verdientes Geld für alles andere nur nicht für so öden Kram ausgeben. Aber ich garantiere Dir, dass frühzeitige wichtige Investitionen wie diese zu mehr Effizienz Deines Unternehmens beitragen werden.
Du wirst Dir mit CAT-Tools Zeit sparen (Stichwort TMs), Du wirst mit einem Laptop ungebunden arbeiten können (Stichwort digitale Nomaden), Du wirst mit einer professionellen Webseite einen seriösen Eindruck bei Deinen Kunden hinterlassen… Ich kann ewig so weitermachen. Du kriegst sogar einen Teil deiner Ausgaben vom Finanzamt zurück und die meisten Investitionen (außer vielleicht Microsoft Office 365 und WordPress) sind (erstmal) einmalige Investitionen. Also, leg los und verbessere Dich und Dein Unternehmen!
ABER, und das ist etwas, was Dir NIEMAND sagt: Es ist unglaublich teuer, sich selbstständig zu machen (wenn Du keinerlei Rücklagen hast). Alle Ratgeber und Webseiten und Fachartikel und Experten kommen einem daher, wie leicht es sein soll, sich als Übersetzer selbstständig zu machen. Ja, ist es auch, theoretisch brauchst Du „nur“ einen PC/Laptop und Internet. Aber den Kostenfaktor erwähnt niemand. Ich erinnere mich, dass mir das lediglich eine einzige Person gesagt hat, wie teuer es ist, und das war ein ehemaliger Dozent vor mir. Ehrlich gesagt will ich nicht mal hinschreiben, was das CAT-Tool von SDL Trados Studio kostet. Oder mein Tarif bei WordPress. Also die Webseite und den Laptop konnte ich mir erst nach fast einem Jahr leisten, weil auch laufende Kosten und ein Auto zu decken sind.
Ha, eigentlich will ich Dich er- und nicht entmutigen, Dich selbstständig zu machen. Ich will Dir damit lediglich sagen, dass Du Dich besonders anfangs auf hohe Kosten einstellen solltest. Und Du verdienst am Anfang nicht besonders viel, wenn Du Fixkosten und noch keine Stammkunden hast. Also mache Dich am besten selbstständig, wenn Du ein dickes finanzielles Polster hast oder mit jemandem zusammenwohnst (Partner, Familie), der Dir erstmal unter die Arme greift. Oder bezahle am Anfang nur das CAT-Tool und alles andere nach und nach, wenn Du Dir was aufgebaut hast.
Das ist zwar offtopic, aber ich finde, dass mehr Übersetzer Blogs über das Prozedere der Selbstständigkeit führen sollten, am besten sogar von Anfang an. Ich habe gemerkt, dass es trotz einiger Fachartikel und Fachbücher noch zu wenig Internetmaterial gibt und zwar in der Art, dass ich mich besonders als junge Person angesprochen gefühlt hätte, dass ich mir gedacht hätte, dass ich wirklich einen Mehrwert davon hatte und mir das geholfen hätte. Klar kann ich mir alles in den Foren auf Proz oder sonst wo zusammensuchen, aber ich habe meine Informationen lieber kompakt und auf einer Seite. Ich mag auch diese Einstellung in der Branche nicht, dass ich keine Tipps weitergeben sollte, damit die Konkurrenz davon profitiert. Ich sehe erstens meine Kollegen nicht als Konkurrenz, sondern als Mitstreiter, von denen ich lernen kann. Zweitens möchte ich nicht, dass andere Einsteiger genauso verzweifelt sind wie ich am Anfang. Und als Einsteiger kann sich ein Otto-Normalverbraucher nun mal keinen Mitgliedsbeitrag bei Berufsverbänden leisten, damit man an Stammtischen teilnehmen kann und im besten Fall einen Mentor findet. So einfach ist das.
Ok, und jetzt zurück zur Liste:
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